Umstrittenes Thema Frühkastration -
unsere Erfahrungen und Zusammenfassung einer amerikanischen Studie

Das züchten von Katzen ist nicht nur ein wirklich schönes und oft erlebnisreiches Hobby
sondern birgt vor allem eine riesige Verantwortung, nämlich dem Leben unserer gezüchteten
Jungtiere gegenüber.

Als verantwortungsvolle Züchter suchen wir für unseren Nachwuchs ausschliesslich beste Plätze
bei ebenso verantwortungsbewussten Katzenfreunden, denen das Wohl der Tiere ebenso am
Herzen liegt wie uns selbst.

Uns ist besonders wichtig das die Katzenkinder ein unbeschwertes Leben in Sicherheit geniessen
dürfen, dazu gehört u.a. auch das wir unsere Tiere nicht für den Freilauf abgeben, da die
Wahrscheinlichkeit doch sehr gering ist das die Tiere wirklich gesund und munter alt werden
können und ihre Besitzer sich ein katzenleben lang an ihnen erfreuen können.

Leider gibt es aber auch eine ganze Menge "schwarzer Schafe" in Züchterkreisen, die ihre
Tiere nicht aus Liebe sondern aus rein kommerziellen Gründen decken und werfen lassen
um so ihr Haushaltsbudget aufzubessern oder gar von den Einnahmen durch die Tiere zu leben.
Besonders häufig findet man diese sogenannten "Schwarzzüchter" bei den zur Zeit
existierenden Moderassen wie z.B. Maine Coon bzw. Whiskaskatzen (BKH).
Selbst bei den Persern, Exotic und Britisch Kurzhaar blau (Kartäusern) und zunehmend leider
auch bei den Birmakatzen findet man dubiose Angebote in Anzeigenblättern oder auch
über das Internet.

Diese sogenannten "Züchter" legen absolut keinen Wert auf Gesundheit, soziale Aufzucht,
qualitativ hochwertiges Futter oder tierärztlich Betreuung sondern es geht nur darum
möglichst kostengünstig Tiere auf Halde zu produzieren und diese möglichst frühzeitig
(oft bereits im Alter von 6-8 Wochen) mit höchstmöglicher Gewinnspanne an den Käufer
zu bringen.
Auch Mischlinge werden gern unter den gleichen Kriterien angeboten. Dafür werden die
Muttertiere dann meist mehrmals im Jahr eingedeckt und so zu Brutmaschinen missbraucht.

Es ist kein Geheimnis das unsere Tierheime mittlerweile mehr als überquellen und viele
Katzen früher oder später eingeschläfert werden müssen weil sie niemand mehr möchte
oder durch mehrere Besitzerwechsel und den mentalen und/oder körperlichen Schäden,
die ihnen im Laufe ihres oftmals kurzen Lebens zugefügt wurden, unvermittelbar wurden.

Gerade wir als Züchter werden oft als unverantwortlich beschimpft, da wir das
sogenannte "Katzenelend" angeblich noch vergrössern und dazu beitragen das die Tierheime
weiterhin mit dem "Wohlstandsmüll Katze" gefüllt werden.
Das ist jedoch nicht so!
Unsere Verträge sehen vor das wir im Problemfall immer die erste Adresse sein werden
um ein Tier zurückzunehmen oder weiterzuvermitteln damit wir sicher sein können das keines
unserer Tiere je ein Tierheim von innen sehen muss!

Um wirklich sicherzustellen das keines unsere Katzenkinder irgendwann einmal in einer
Hinterhof- oder Kellerzucht landet und dort als profitable Gebärmaschine oder Deckkater
vor sich hin vegetieren muss, sind wir nach reiflicher Überlegung und eingehender Recherche
dazu übergegangen unsere Katzenkinder im Alter von 12 Wochen frühkastrieren zu lassen.
Somit sind sie für potentielle Schwarzzüchter uninteressant, da man sie nicht zur Zucht
reinrassiger oder auch Mischlingskatzen verwenden kann.

Alle seriösen Züchter haben sogenannte Kastrationsklauseln im Vertrag, in dem festgelegt
wird das die als Liebhabertiere verkauften Kitten im Alter von X Monaten kastriert
werden müssen.
Auch wir hatten früher diese Klausel in den Kaufverträgen, mussten jedoch 2x die
schmerzliche Erfahrung machen das die Katzen nicht vertragsgemäss kastriert wurden,
da sich die Käufer plötzlich überlegten doch einen Wurf machen zu wollen.
Sei es mit einem streunenden Hauskater oder noch besser mit irgendeinem Tier anderer Rasse.

Mal davon abgesehen das dadurch die Katze einem erhöhten Infektionsrisiko durch FIP,
Katzenaids, Leukose, Tollwut oder Pilz ausgesetzt wird, kann es durchaus passieren das die
aus der Verpaarung entstandenen Jungtiere irgendwann im Tierheim landen weil sich
plötzlich doch keine Abnehmer finden oder man sich die Aufzucht einfacher vorgestellt hat.

Die so unüberlegt in die Welt gesetzten Katzenkinder haben nur in den seltensten Fällen
eine Chance auf ein Leben bei verantwortungsvollen Besitzern sondern werden meist
zu Dumpingpreisen leichtfertig gekauft und genausoschnell vor dem nächsten Urlaub
wieder ausgesetzt oder abgegeben.

Leider halten sich bei vielen Menschen in Deutschland hartnäckig die Gerüchte das
frühkastrierte Katzenkinder später gesundheitliche Probleme bekommen würden.
Kater mit Harnwegsinfektionen, die Tiere würden kleiner bleiben als ihre spät
kastrierten Artgenossen etc. etc.

Das ist genauso wahr wie die immer noch landläufige Meinung Katzen müssten einmal
werfen vor der Kastration oder kastrierte Katzen fingen keine Mäuse mehr - nämlich garnicht!

Lesen Sie dazu aber bitte noch am Ende die Ergebnisse einer Studie der amerikanischen
Winn Feline Foundation.

In Deutschland stecken wir, wie so oft im internationalen Vergleich mit unseren
Erkenntnissen noch in den Kinderschuhen was Krankheiten, Imfpungen, Tests,
Ernährung etc. betrifft.
Die Frühkastration wird bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ohne irgendwelche
Nachteile in den USA und anderen europäischen Ländern durchgeführt.

Bei uns in Deutschland gibt es bisher leider nur wenige Züchter und auch Tierärzte die
sich die Mühe machen sich mit dem schwierigen Thema auseinanderzusetzen.
Glücklicherweise sind nun aber auch viele Tierheime bereits dazu übergegangen
Katzenkinder im Alter ab 7 Wochen kastrieren zu lassen um sicherzustellen das diese
Kitten nicht später auch wieder für Nachwuchs sorgen der dann die Katzenschwemme
in den Tierheimen weiterführt.

Wir praktizieren die Frühkastration an unseren Jungtieren nun bereits seit mehreren
Jahren und haben damit ausschliesslich sehr gute Erfahrungen gesammelt.
Natürlich hatten wir ebenfalls anfangs Bedenken ob die Kitten auch wirklich die Narkose
gut überstehen und wie der Heilungsprozess von Statten gehen würde.
Wir waren wirklich überrascht wie problemlos und schnell unsere Süssen diese Operation
überstanden haben und wie schnell sie wieder völlig fit und agil durch die Gegend jagten.
Diese guten Erfahrungen zeigten uns das wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten und
wir haben es bis zum heutigen Tage nie bereut.

Besonders bei den Birmakatzenkindern hatten wir grosse Bedenken, da sie durch ihren
Teil-Albinismus als Pointkatzen Vollnarkosen schlechter vertragen als andere Rassen und
leider durch unerfahrene Tierärzte schon Katzen durch eine Überdosierung des
Narkosemittels eingeschläfert wurden.

An dieser Stelle muss ich einmal ein grosses Lob an unsere Tierärztin Frau Dr. Kunz loswerden,
die uns bereits seit mehr als 15 Jahren betreut und mit uns von Anfang an den Schritt in
die Frühkastration gewagt hat!
Auch sie hat dazugelernt und sich zum Wohle unserer Tiere weitergebildet und im
Vorfeld weitreichend informiert.

Ich werde nun einmal zum besseren Verständnis kurz den Ablauf einer Kastations-OP
bei Jungtieren schildern:

- Letzte Fütterung etwa 12 Stunden vor der OP am Abend vorher.

- Vor der OP werden die Katzen gesundheitlich durchgecheckt und gewogen um das
Narkosemittel zu dosieren.

- Narkose wird gesetzt und die Kitten schlafen innerhalb weniger Minuten tief und
fest ein. Sie werden zur OP auf ein Wärmekissen gebettet um die Körpertemperatur
konstant zu halten.

- Katerchen bekommen einen kleinen Schnitt am Hodensack, die Hoden werden von
den Samenleitern abgetrennt und komplett entnommen.

- Kätzchen werden an der Seite aufgeschnitten, die Eileiter abgebunden, getrennt und entfernt.
Dieser Eingriff ist für Tierärzte der schwierigere, da die Organe der Kätzchen noch sehr klein und unterentwickelt sind. Da braucht es schon ein wenig Fingerspitzengefühl und gute Technik.
Deshalb trauen sich anscheinend auch viele Ärzte noch nicht an diese OP.
Eigentlich unverständlich denn es werden ja heutzutage auch Meerschweinchen,
Kaninchen, Ratten und andere Kleintiere kastriert. Da sollte es noch schwieriger sein
die Organe zu entfernen.

- Die OP dauert bei den Katerchen etwa 10 Minuten, bei den Kätzchen etwa 20-30 Minuten.

- Die Narkose wird knapp kalkuliert und die Kitten werden kurz nach der Beendigung
der OP wieder wach. Sie bekommen nach etwa 1 Stunde noch ein Schmerzmittel gespritzt
um die Wundschmerzen zu verringern und etwa 2 Stunden nach der OP nehme ich sie
wieder mit nach Hause.

- Zu Hause angekommen dauert es meist noch 1-2 Stunden und die Süssen laufen wieder
in der Gegend herum. Besonders die Kater haben anscheinend überhaupt kein Problem und
springen über Tische und Bänke. Die Mädchen gehen es etwas langsamer an und sind ab
dem frühen Abend wieder soweit hergestellt das sie ihrem Hunger Ausdruck verleihen.
Ab dem späten Abend bekommen sie dann wieder kleine Mengen Futter.

- Am nächsten Tag sind alle wieder topfit und wohlauf und benehmen sich als wäre nie
etwas geschehen.

Wir können nur sagen das die Erfahrung gezeigt hat das die Kitten die Kastration weitaus
leichter verkraftet haben als jedes erwachsene Tier das wir jemals kastrieren liessen!

Die erwachsenen Katzen litten meist mehrere Tage an den Folgen der Narkose als auch an den Wundschmerzen.
Sie verhalten sich auffallend länger ruhig und schonen sich mehr.

Als weiterer grosser Vorteil ist zu sehen das sich die zukünftigen Katzeneltern keine
Sorgen um ihre Lieblinge wegen der Operation machen müssen.
Viele Tierhalter schieben den Termin nämlich auf die lange Bank, da sie den Gedanken
nicht ertragen können ihrem Tier eine Operation zumuten zu müssen oder es danach
leiden sehen zu müssen.

Mit einem frühkastrierten Katzenkind bleibt ihnen diese unangenehme Erfahrung erspart
und sie bekommen ein rundum gesundes und glückliches Kätzchen mit dem sie viel
Freude haben werden.

Sollten Sie noch immer skeptisch sein oder einfach mehr zum Thema Frühkastration
erfahren wollen, möchte ich Ihnen nun hier die Gelegenheit bieten einen Blick auf
eine amerikanische Studie zum Thema zu werfen, die von der Winn Feline Foundation
- einer renommieren Organisation in den Staaten die Forschungen zum Thema Katzen
finanziert und durchführt - initiiert wurde.
Diese Zusammenfassung wurde im englischen Original von Diana Curden, Ph. D. verfasst

 

 

Frühkastration von Katzen - Studie der Winn Feline Foundation

 

Das Konzept der Frühkastration (d.h. bevor eine Katze geschlechtsreif wird) ist alles
andere als neu.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Frühkastration die Regel und Bedenken bezüglich
negativer Nebenwirkungen einer solchen Operation kamen erst sehr viel später auf.
Heute bestätigen die meisten Experten, daß bisher nicht genügend wissenschaftlich
belegte Informationen zur Verfügung standen, um das beste Alter für eine Kastration
zu ermitteln.

Bis vor kurzer Zeit gab es keine Forschungsergebnisse, welche die Theorie, daß die
Kastration eines Hundes oder einer Katze mit einem Alter von weniger als 5 bis 8
Monaten, bestätigten oder widerlegten.
In der Tat führt einer der Untersuchenden auf diesem Gebiet an, daß viele Tierärzte
die Frühkastration seit geraumer Zeit praktizieren, da es unglaublich große Unterschiede
gibt, wann Katzen oder Hunde die Geschlechtsreife erlangen.

Tierärzte für Großtiere praktizieren bereits seit langem Frühkastration an ihrem
Tierbestand und halten dies nicht nur für akzeptabel sondern in vielen Fällen
auch für wünschenswert.
Selbst bevor Bedenken bezüglich der stetig wachsenden Anzahl an ungewollten
Haustieren aufkamen, gab es viele wissenschaftlich belegte Gründe für die Kastration.

Kastrierte Kätzinnen sind gegen Gebärmutterkrebs und Gebärmutterinfektionen geschützt.

Bei Katern reduziert die Kastration das Risiko für einen Vorfall von Hodenkrebs und
einer Prostatavergrößerung und den damit verbundenen Infektionen.

Vom Standpunkt des Haustierbesitzers ist ein kastriertes Tier ein viel besserer Gefährte.
Sie sind einerseits weniger aggressiv und andererseits anhänglicher als ihre unkastrierten
Verwandten. Da sie nicht dem Fortpflanzungstrieb unterliegen werden sie weniger oft
streunen oder kämpfen.

Bis vor kurzem gab es einen sehr schmerzlichen Mangel an Studien über die Kurz- und
Langzeitfolgen der Frühkastration.

Obwohl es zahlreiche Anekdoten über Frühkastration gibt, waren diese Fälle vom
wissenschaftlichen Standpunkt her nicht aussagekräftig.

Bei den meisten dieser Fälle ging es um zufällig verpaarte, nicht verwandte Tiere
mit völlig verschiedenem Hintergrund und es gab keinen Versuch, diese Verschiedenheit
unter Kontrolle zu bringen.

Es gab nur sehr wenige universitäre Untersuchungen auf diesem Gebiet.
M.A. Herron von Texas A&M berichtete 1972 darüber, daß eine Kastration vor der
Geschlechtsreife einen relativ geringen Effekt auf den Durchmesser der Harnröhre
bei Katern hat.
In letzter Zeit wurden Untersuchungen im Angell Memorial Hospital in Boston,
am College der Veterinärmedizin der Universität von Minnesota und dem Department
of Small Animal Clinical Sciences an der Universität in Florida durchgeführt.

Das Projekt in Florida dauerte von 1991 bis 1992 und wurde von der Winn Feline
Foundation in Zusammenarbeit mit der American Veterinary Medical Association
(Organisation Amerikanischer Veterinärmedizin) finanziert.
Es wurde so weit wie möglich versucht, die Unterschiede im medizinischen
Hintergrund und in der Genetik möglichst weit zu reduzieren.

Die Kitten wurden eigens für die Untersuchung gezüchtet und die Wurfgeschwister
wurden in drei Gruppen eingeteilt.

Die Mütter der Kitten wurden unter Quarantäne gedeckt und untergebracht, da die
Ernährung und andere Faktoren sowohl vor als auch nach der Geburt einen Einfluß
auf die letztendliche Größe, das Gewicht und den Gesundheitszustand im
allgemeinen Einfluß haben können.

Dr. Mark Bloomberg bezeugt daß, obwohl die Untersuchung der Langzeitwirkungen
noch nicht in vollem Umfang abgeschlossen sind, die anfänglichen Ergebnisse
äußerst positiv sind.
Bevor er die Untersuchung für die Winn Foundation durchführte, hatte Dr. Bloomberg
eine ähnliche Studie an Hunden abgeschlossen.
Die an dieser Untersuchung beteiligten Tiere wurden nun über einen Zeitraum von
fünf Jahren beobachtet, ohne daß von negativen Nebenwirkungen berichtet wurde.

An der Untersuchung der Winn Foundation waren insgesamt 31 Kurzhaarkitten
aus 7 Würfen beteiligt, welche auf dem Universitätsgelände der Gainesville
Universität geboren wurden.

Die Kitten wurden in drei Gruppen eingeteilt:

Die Untersuchenden berichteten, daß die Operationen an den Kitten der Gruppe 1
unkompliziert und ohne Zwischenfälle verliefen, und daß die Kitten sich schneller
erholten als die Kitten in den Gruppen 2 und 3.

Dr. Bloomberg bemerkte hierzu, daß es zwar nur sehr wenig Material über Anästhesie
bei Jungtieren gibt, allerdings seien Kleinkinder in der Humanmedizin allgemein sehr
gute Patienten und es gäbe keinen Grund, warum dies nicht auch bei Katzen und
Hunden der Fall sein sollte.

Die größten Probleme bei Operationen an Jungtieren sind die Erhaltung der
Körpertemperatur, die richtige Dosierung der Anästhesitika, da der Atemapparat
bei Jungtieren noch nicht vollständig entwickelt ist, und die Erhaltung des
richtigen Blutzuckerspiegels.

Die Untersuchenden gaben den Kitten der Gruppe 1 nur für eine kürzere Zeit
vor der Operation keine Nahrung als bei den Katzen der anderen Gruppen und
gaben ihnen als Vorsichtsmaßnahme kleine Mengen von Karo Syrup (ein stark
glukosehaltiger Sirup) vor der Narkose.
Es sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, daß das allgemeine Vorgehen
bei der Reduzierung der Narkosestoffe zum Ende der Operation auf Grund der
schnelleren Erholung der Jungtiere etwas abgewandelt wurde.

Kritiker führen mehrere mögliche Nebenwirkungen der Frühkastration auf.

Allgemein ist man der Meinung, daß kastrierte Tiere weniger aktiv sind und eher
zu starkem Übergewicht neigen als unkastrierte Tiere.

Ebenso wird gesagt, daß eine Kastration im frühen Alter das normale
Wachstum behindert.
Besonders bei Katern wurde befürchtet, daß eine Frühkastration die
Entwicklung der Harnwege beeinflussen könnte und zu einem vermehrten
auftreten von Zysten und Entzündungen der Harnwege führt.
Außerdem wurde befürchtet, daß eine Frühkastration sich auf das Verhalten,
die Nahrungsaufnahme und die Anforderungen an die Nahrungszusammensetzung
und ähnliches auswirkt.

Die Untersuchenden waren bemüht, die meisten dieser Fragen zu beantworten,
indem sie einige Daten bei diesen drei Gruppen untersuchten.
Insbesondere wurde auf die folgenden Dinge geachtet:
- das Gewicht und die Körperzusammensetzung (z.B. prozentualer Anteil an Körperfett);
- die Knochenlänge und das Alter, mit welchem die langen Knochen aufhören zu wachsen;
- Verhalten;
- Nahrungsaufnahme;
- Entwicklung der Harnwege;
- und die Entwicklung sekundärer geschlechtlicher Merkmale und den Grad geschlechtlicher
  Reife.

Die Ergebnisse beim Vergleich des Gewichts zeigten Unterschiede beim Vergleich der
drei Gruppen.

Kater wogen grundsätzlich mehr als Kätzinnen, was allerdings in allen Gruppen gleich war.

Die Untersuchungen der Körperzusammensetzung und des Körperfetts zeigten, daß die
Werte der Gruppe 1 und 2 identisch waren und allgemein fetter waren als die Katzen
der Gruppe 3.
Die Untersuchenden weisen darauf hin, daß die Kater der Gruppe 3 im Alter von
12 Monaten bereits normale Merkmale erwachsener Kater aufwiesen, wie z.B.
Gewichtsverlust und die Entwicklung von Katerbacken, was einen Teil des
Unterschieds ausmacht.
Es wurde bei späteren Untersuchungen außerdem festgestellt, daß der
Gewichtsunterschied bei den Katzen der Gruppen immer geringer wird.
Alle Katzen wurden in ausgewählten Haushalten, die unter einer gewissen
Aufsicht stehen, untergebracht und sind in ihrem neuen Zuhause aktiver als
auf dem Universitätsgelände.
Eine Nachuntersuchung sollte nach drei Jahren im Mai 1994 durchgeführt werden.

Beobachtungen im Verlauf der Studie

Es gab allgemein keinen Unterschied in der Nahrungsaufnahme zwischen den
Katzen der drei Gruppen außer, daß es in allen Gruppen Unterschiede zwischen
den männlichen und weiblichen Katzen gab.

Es wurden keine Unterschiede in der Wachstumsrate der Katzen in den drei
Gruppen festgestellt, obwohl die Kater in allen Gruppen schneller wuchsen.

Es wurde beobachtet, daß die langen Knochen bei den männlichen und weiblichen
Katzen der Gruppen 1 und 2 länger wurden.
Der Grund hierfür schien zu sein, daß die Knochen bei den Katzen der Gruppen 1
und 2 erst später aufhörten zu wachsen.

Dies ist auch die Erklärung dafür, warum früher kastrierte Katzen oft größer
(höher und länger) sind, als unkastrierte oder später kastrierte Katzen. Dies schien
insbesondere bei den Katern der Fall zu sein.

Nach sieben Monaten waren die Katzen der Gruppe 3 vor der Kastration wesentlich
aggressiver und außerdem weniger anhänglich als die Katzen der Gruppen 1 und 2.

Entgegen der allgemeinen Meinung waren die kastrierten Katzen genauso aktiv wie
die unkastrierten Katzen.

Die Beobachtungen der Entwicklung der Harnwege zeigten keine Unterschiede
zwischen den drei Gruppen, außer den geschlechtlich bedingten Unterschieden,
welche jedoch über alle Gruppen hinweg konstant waren.

Die Untersuchenden maßen den Umfang der Harnröhre nur bei den Katern der
drei Gruppen und konnten keinen Unterschied feststellen.

Es gab Bedenken, daß eine Frühkastration einen geringeren Umfang zur Folge
haben würde, was ein häufigeres Auftreten von Zysten und damit
zusammenhängenden Problemen mit sich bringen könnte.
Dies scheint nicht der Fall zu sein.

Die größten Unterschiede zwischen den Gruppen wurden beim Vergleich
sekundärer Geschlechtsmerkmale festgestellt.

Die Kater wurden auf Unterschiede in der Entwicklung des Penis, der Vorhaut
und der hakenartigen Auswüchse untersucht.

Die hakenartigen Auswüchse waren bei den Katern der Gruppe 1 überhaupt nicht,
bei den Katern der Gruppe 2 unterdurchschnittlich und bei den Katern der Gruppe 3
normal entwickelt.
Bei der Untersuchung der Kätzinnen ergab sich, daß die Vulven bei den Kätzinnen
der Gruppen 1 und 2 infantiler waren als bei den Kätzinnen der Gruppe 3.

Keiner dieser Unterschiede machte bei dem Versuch, den Katzen einen Katheter
zu legen, Probleme.
Bedenken, daß die Entwicklung der Harnwege durch Frühkastration beeinträchtigt
würde, waren offensichtlich unbegründet.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen bisher auf, daß die Unterschiede zwischen
den Katzen der Gruppen 1 und 2 vernachlässigbar sind.

Obwohl die Unterschiede zwischen den Katzen der ersten Gruppen und der
Gruppe 3 teilweise statistisch bedeutsam sind, scheinen sie die Gesundheit der
Katzen nicht negativ zu beeinflussen.

Die Zeichen stehen eindeutig dafür, daß eine Frühkastration nicht
gesundheitsschädlich ist, obwohl dies durch langfristige Folgeuntersuchungen
bestätigt werden muß.

Aus Sicht der Tierheime und im Hinblick auf das Problem ungewollter Jungtiere
sind diese Ergebnisse ermutigend.

Wenn alle Tiere – Welpen und Kitten eingeschlossen – die aus Tierheimen
adoptiert werden vor der Adoption kastriert bzw. sterilisiert werden, sollte es
zu einem entsprechenden Rückgang der Zahl an eingeschläferten Tieren
pro Jahr kommen.
Ergebnisse aus Alachua County in der Nähe der Universität von Florida in
Gainesville scheinen diese Theorie zu untermauern.

Die Tierfänger des Alachua County arbeiten mit den Untersuchenden der
Universität zusammen und setzen die Frühkastration seit 1990 ein.
Kein Tier verläßt das Tierheim, ohne zuvor kastriert zu werden.

1987 wurden im Alachua County 1250 Hunde und Katzen pro Monat
eingeschläfert.
Seit der Einführung der Frühkastration fiel die Zahl der Einschläferungen
auf 940 pro Monat;
außerdem ist keine höhere Todesrate im Zusammenhang mit den
Frühkastrationen festzustellen.

In den letzten Jahren erkannte man die Sicherheit und Effizienz der
Frühkastration immer mehr.

Die American Humane Association bezeichnet die Frühkastration vor der
Adoption aus einem Tierheim als eine angemessene Lösung zur Verringerung
der Haustierüberbevölkerung und der Tragödie der daraus resultierenden
Todesfälle.

Im Juli 1993 stimmten Abgeordnete der American Veterinary Medical
Association für das Konzept der Frühkastration.

Arbeiten, die von Tierärzten am Angell Memorial Hospital für die
Society for the Prevention of Cruelty to Animals (Gemeinschaft für die
Verhinderung von Graumsamkeiten an Tieren) angefertigt wurden,
unterstützen Dr. Bloombergs Beobachtungen.

Andere Organisationen, die ein Programm zur Frühkastration einsetzen sind
die Denver Dumb Friends League ind Colorado, die Miami Humane Society and
Alachua County Animal Control in Florida, The Humane Society of Austin and
Travis County in Texas, die Chicago Animal Control in Illinois, die King County
Animal Control im Staat Washington, die Vancouver SPCA in British Columbia
und die Southern Oregon Humane Society in Oregon.

Die Dekalb Humane Society in Decatur, Collie Rescue of Metro Atlanta, die
Georgia Alliance of Purebred Canine Rescuers, The Haven and Dog River
Sanctuary in Douglasville sind einige der Organisationen in Georgia, die
Frühkastration bei Hunden, Katzen und exotischen Tierarten einsetzen.

Die Cat Fanciers’ Assocition (CFA) hat seine Ausstellungsregeln insofern geändert,
daß jetzt kastrierte Kitten an den Ausstellungen teilnehmen dürfen.

Viele Züchter von Rassekatzen arbeiten mit ihren Tierärzten zusammen und
lassen Liebhaberkitten kastrieren, bevor sie in ihr neues Zuhause kommen.

Diese Züchter sagen, daß sie mit der Frühkastration sehr zufrieden sind.

Die neuen Besitzer der Liebhabertiere sagen, daß sie sich dank der Frühkastration
keine Gedanken über die Operation und den damit verbundenen Kosten einer
späteren Kastration machen müssen.

Genauso wie die Tierheime, müssen sich Züchter daher keine Sorgen machen,
daß die Kitten, für welches sie ein neues Zuhause gefunden haben, in Zukunft
die Überbevölkerung an Haustieren verschlimmern.

Autor:
Silke Schreuder / Catweazle's Heilige Birma & Maine Coon
http://www.catconnect.com/catweazle